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Impressions from the reading life

Heinrich Böll: Im Tal der donnernden Hufe

Im Tal der donnernden Hufe - Heinrich Böll

Inhalt

Ein Dorf im Nirgendwo, in dem die Erwachsenen ihre Zeit mit beten und Regatten verbringen. Die drei Teenager dieser Geschichte haben keinen Platz in dieser Gesellschaft, die ihnen die Entfaltung ihrer Sexualität verbietet, sie nur als potenzielle Sünder betrachtet, deren Macken es auszutreiben gilt.

 

Die Erzählung setzt ein, als Hauptfigur Paul zur Beichte geht. Die Athmosphäre ist von Anfang an trüb und bedrückend, man spürt die Isolation des 14-jährigen deutlich. Nach einer Weile wird klar: Auch den anderen Kindern in seinem Alter geht es so.

In dem streng katholischen Zischbrunn kann schon der kleinste 'Fehltritt' einen Skandal auslösen. Die Mirzowa ist das Mädchen, das wegen eines solchen Fehltritts – muss ich noch erwähnen, dass es sich dabei um etwas handelt, dass eigentlich keinen jucken müsste? – letzendlich vor dem Gerede der Leute fliehen muss und zu ihrem Vater zieht.

 

Da relativ wenig in dieser Erzählung passiert, kann ich nicht besonders viel zum Geschehen sagen. Vieles verbirgt sich hier aber auch hinter und zwischen den Worten. So scheint die Scheinmoral der Erwachsenen an der einen oder anderen Stelle durch, ihre Unfähigkeit, ihre Gefühle zu zeigen (ein Phänomen, dass mir öfters unter den Kindern der Nachkriegszeit auffällt).

 

Und die Jugendlichen wissen kaum, wohin mit ihrer Energie, sowohl der sexuellen als auch der aufwieglerischen gegen die ältere Generation. Die Angst vor dem Zorn Gottes und der Zweifel, ob es überhaupt diese Übermacht gibt, liegen im Zwiestreit.

"Schade", sagte sie, "dass du so katholisch bist." (S. 41)

Mit all seinen Metaphern und interpretationsanfälligen Ausdrucksweisen ist Im Tal der donnernden Hufe sicher eine super Schullektüre, nicht zuletzt durch das Alter der Hauptfiguren. Während ich selbst die Geschichte athmosphärisch dicht und klug fand, habe ich immer noch das Gefühl, dass da mehr ist, als ich erfasst habe. Was eigentlich literarisch gesehen eine große Auszeichnung ist – ich könnte das Buch gleich noch mal lesen. Die ganzen Andeutungen geben locker noch genug Denkstoff für eine zweite Leserunde.

Dennoch ist die drückende Stimmung natürlich eher ein Dämpfer.

 

Ein seltenes Stück Literatur, wenn auch sehr speziell.

Source: http://elektrischersalon.blogspot.com/2014/08/heinrich-boll-im-tal-der-donnernden-hufe.html