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Impressions from the reading life

2001: Odyssee im Weltraum (Film und Buch)

2001. Odyssee Im Weltraum - Arthur C. Clarke

Obwohl man Arthur C. Clarkes 2001 auf praktisch jeder Leseliste der Science Fiction findet, entstand dieser Klassiker erst nach dem Film. Clarke hat mit Regisseur und Produzent Kubrick das Skript für den Film geschrieben und es darauf für den Roman ausgewertet.


Hier trifft Clarke, der sich auf Worte allein verlassen musste, auf die Bilder Kubricks, dessen Film in 95 von 143 Minuten stumm ist (laut Spiegel).

 

Die Geschichte dieser Odyssee, die eine Odyssee der ganzen Menschheit ist, beginnt mit der Geburtsstunde des Menschen. Eine Horde Affenmenschen findet eines Tages in der Nähe ihrer Höhle einen mysteriösen Monolithen vor, der ihnen für die weitere Entwicklung lebenswichtige Fähigkeiten beibringt. So erlernen sie den Gebrauch von Werkzeugen, mit deren Hilfe sie Fleisch verarbeiten und Feinde vertreiben können.

Zeitsprung um Pi mal Daumen 3 Millionen Jahre
Im Jahr 1999 haben die Menschen den Schritt ins All geschafft. Noch vor der tatsächlichen Mondlandung finden hier Menschen den – offenbar absichtlich vergrabenen – Monolithen, der nun ans Tageslicht gebracht, einen Strahlungsimpuls Richtung Jupiter(Film)/Saturn (Buch) sendet. Also sendet man eine Expedition zur Erforschung des fernen Planeten, um möglicherweise Kontakt zu denen aufzunehmen, die den Monolithen vergruben.

Ein ganz kleiner Zeitsprung: Es ist 2001
An Bord der Discovery sind 6 Passagiere: 5 Menschen, von denen sich 3 in einer Art künstlichem Winterschlaf befinden, und ein HAL-9000 Supercomputer, der wie ein Mensch redet, sich Meinungen bildet und schlussfolgert und der das gesamte Raumschiff unter seiner technischen Kontrolle hat...

 

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Film

Was man auch zum Inhalt sagen mag, dieser Film ist ein Meilenstein und wunderschön anzusehen. Man erkennt kaum fast gar nicht, wie alt 2001 ist. Kubrick, der die NASA für die Gestaltung der Innenaufnahmen der Discovery zur Rate gezogen hat, hat hier einmal mehr sein Auge für's Detail gezeigt. Man muss dabei bedenken, dass der Weltraum 1968 immer noch Neuland war.
Und doch hat Kubrick die Stille und Weite des Raums so eingefangen, dass ich konstant eine Gänsehaut hatte (der Gedanke, die Erde zu verlassen, verursacht mir Angst). Er hat so die Grundlagen des modernen Science Fiction Films gelegt.
Viele Kameraeinstellungen gehören heute zu einem Weltraumspektakel dazu.


Wie schon bei Eyes Wide Shut könnte ich ewig über die Finessen dieses Films schreiben. Aber um euch vor zu viel Lobhudelei zu bewahren, gehe ich lieber zu den Warnungen über. Ja, die sind nötig :)
Dieser Film ist langsam. Ich habe mich weniger amüsiert, als ich fasziniert war. Die Stille, die langen Einstellungen und Szenen machen es schwer, konzentriert zu bleiben, da können sie die Schwerelosigkeit noch so gut rüberbringen (und ich habe schon viel lahmere Filme gesehen).

Und was die Story angeht: Hätte ich nicht zuerst aus Gewohnheit das Buch gelesen, hätte ich einiges nicht verstanden. Ich weiß ja nicht, wie es dem damaligen Kinopublikum ging, aber ohne Buch wäre ich im Affenpart und am Ende verloren gewesen. Zu Beginn der Dreharbeiten sollte es eine Erzählstimme geben, die Kubrick dann aber weggelassen hat, vielleicht liegt es daran.

 

 

Buch

Ganz anders der aufwändige Auftakt im Buch: Sogar einen Protagonisten – namens "Mondschauer" – gibt es. Als Vorstufe des Menschen hat Mondschauer kein richtiges Gedächtnis, kein Familiengefühl, kein Empathievermögen, keine Sprache. Clarke versucht, diesem Wesen Emotionen und Gedanken zu entlocken und schafft das auch leidlich.
Auch am Ende gibt es wesentlich mehr Details, wodurch es etwas deutlicher wird, was da passiert. Rätselhaft bleibt es aber.

Eine der Fragen des Films war, ob der intelligente Computer an Bord der Discovery Gefühle hat; ein HAL9000 ist unfehlbar und darum seinem menschlichen Erschaffer in vielem überlegen. Im Buch wird HAL zwar psychologisch analysiert, aber er ist mehr Maschine. Die KI-begeisterten 1960er waren ja noch von riesigen, langsamen Computern geplagt ;) Dieser Blick in die Zukunft der künstlichen Intelligenz ist doch eine Zukunft von gestern. An anderen Stellen finden sich aber erstaunliche Voraussagen über Bevölkerungsexplosion, Lebensmittelknappheit und Veggie Days (die dort natürlich nicht so heißen).

Ansonsten kann der Roman einige technische Spielereien des Films genauer beschreiben (im Film wird gar nichts erklärt) und auch solche aus geschnittenen Szenen vorführen. Und das nutzt Clarke auch: Er schwelgt in den technischen Abläufen, ohne langweilig zu werden. Für uns heute ist das natürlich doppelt interessant, weil wir ja die Zukunft kennen. Natürlich gibt es auch ein paar Details, über die man ein bisschen schmunzeln muss.

An der Handlung wird im Großen und Ganzen nicht viel geändert, ein paar Details hier und da vor allem. Doch eine Schlüsselszene ist anders, anscheinend zur Spannungssteigerung, worunter die Realitätsnähe etwas leidet.

Der Gewinn beim Buch ist wirklich, dass die philosophischen Fragen der Geschichte mehr Raum bekommen.

 

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Lesen? Anschauen?

Wer an Elysium nichts zu meckern hatte, ist vielleicht nicht der richtige Kandidat für den Film; wer ein eindeutiges Ende mag, an dem es nichts zu interpretieren gibt, sollte die Finger ganz davon lassen. Mir haben Buch und Film durch ihre besondere Art gefallen.

Ich kann nur jedem, der die Reise wagt, raten, zuerst zum Buch zu greifen. Und was den Film betrifft: Erwartet keine Action. Erfreut euch an den wunderschönen Bildern, der cleveren Technik, rätselt, wie dieser oder jener Shot wohl realisiert wurde, beschäftigt euch mit philosophischen Fragen. Und haltet bis zum Ende durch. Es ist eine fantastische Odyssee, auch für den Zuschauer ;)

Source: http://elektrischersalon.blogspot.de/2014/07/2001-odyssee-im-weltraum-film-und-buch.html