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Impressions from the reading life

Der scharlachrote Buchstabe {oder: In Salem ist der Teufel los}

Der scharlachrote Buchstabe - Barbara Cramer-Nauhaus, Nathaniel Hawthorne

Inhalt

Im Amerika des 17. Jahrhunderts wird die Ehebrecherin Hester Prynne an den Pranger gestellt. Sie will nicht verraten, wer der Vater ihres Kindes ist, das sie in der Haft zur Welt gebracht hat. In der puritanischen Siedlung verurteilt man Hester dazu, den Rest ihres Lebens als Zeichen ihrer Schande ein scharlachrotes A auf der Brust zu tragen. Als fortan Ausgestoßene sühnt Hester ihre Sünde, indem sie Mitbürgern Kleidung näht und sie pflegt, wenn es sonst niemand mehr tut.

Währenddessen ist ihr Ehemann, der jahrelang verschollen war, wieder aufgetaucht. Er hat Hester zum Stillschweigen über seine Identität verpflichtet und gibt sich mehr und mehr seinen Rachegelüsten hin.

 

Der scharlachrote Buchstabe zählt zu den wichtigsten Romanen der US-amerikanischen Literatur; es war das erste Buch, das unser kleiner Buchclub gelesen und besprochen hat.

 

Ich bin hin und hergerissen bei diesem Roman. Einerseits finden sich immer wieder brilliante Sätze, in denen Humor und auch Ironie hervorblitzen. Andererseits ist einfach alles metaphorisch und biblisch auslegbar, was die Geschichte an einigen Stellen etwas unrealistisch erscheinen lässt – zumindest aus heutiger Sicht. Die Puritaner, die Hester Prynne am liebsten gevierteilt hätten, sind auch sonst keine Sonnenscheine. Hawthorne äußert hier ziemlich eindeutig Kritik gegen diese religiöse Ausrichtung. Sie erlauben sich weder anständige Feste noch schmückende Kleidung. Im Vorwort spricht Hawthorne nicht sehr hochachtungsvoll von seinen eigenen puritanischen Vorfahren:

Allerdings hätte es jeder dieser ernsthaften und finsterblickenden Puritaner als hinreichende Strafe für seine Sünden angesehen, daß der altehrwürdige, bemooste Familienstamm nach so vielen Jahren als obersten Zweig einen Müßiggänger wie mich hervorgebracht hat. Kein Ziel, das ich je anstrebte, fände ihre Billigung; jeder Erfolg - wäre mein Leben außerhalb des engen häuslichen Bereiches nur erfolgreich gewesen - es erschiene wertlos, wenn nicht schimpflich in ihren Augen. "Was treibt er?" flüstert ein schattenhafter Vorfahr dem anderen zu. "Er schreibt Geschichten in Bücher! Was für eine Beschäftigung mag das sein - welche Art, Gott zu dienen und den Mitlebenden nützlich zu sein? Da kann er auch siedeln gehen, der entartete Bursche!" So tauschten meine Urgroßväter und ich über den Abgrund der Zeit hinweg Komplimente aus. (S.16)

Doch die Protagonisten sind ebenfalls Puritaner, wenn auch sündige. Ich komme immer schwer damit klar, wenn Charaktere meinen, wegen eines Fehltritts nun auf ewig verdammt zu sein, sich keine Freude mehr erlauben zu dürfen und am besten zu sterben. Genauso ist es hier.

 

Dann wieder haben mir die zahlreichen Anspielungen an teuflische und göttliche Mächte gefallen. Es gibt eine berüchtigte Hexe im Dorf, der schwarze Mann geht um, und wenn jemand krank wird, dann hat er sicher bösen Gedanken nachgehangen.

Die Frage, wer der Vater des Kindes, der kleinen Pearl, ist, wird geklärt und sorgt für noch mehr Tumult, bis es zu einem großen Showdown kommt.

 

Vor Beginn der eigentlichen Geschichte steht das schon erwähnte, umfangreiche Vorwort, in dem Hawthorne seine Arbeit im Zollhaus zu Salem schildert und wie er dort den roten Stofffetzen, den Hester auf der Brust getragen hatte, unter alten Unterlagen fand. Während hier die lustigsten Bemerkungen anzutreffen sind (im Hauptteil geht es durchweg ernst und eher sinister zu) ist der Text doch ungemein zäh zu lesen. Ich glaube nicht, dass er nötig ist, um den Roman zu verstehen und habe keine Ahnung, zu welchem anderen Zweck als zur Historisierung des Stoffs er überhaupt da ist. Ein kurzes "Nach einer wahren Begebenheit" hätte es doch auch getan.

 

Insgesamt bin ich, abgesehen vom Vorwort, froh, dieses Stück amerikanische Literatur endlich kennen gelernt zu haben. Da mein Interesse eher nicht auf amerikanischen Boden zu finden ist, konnte ich noch etwas über Kolonisierung und Religionsgemeinschaften lernen. Froh bin ich allerdings auch, zur Übersetzung gegriffen zu haben, denn im Original wimmelt es nur so von archaischen Ausdrucksformen, die an die King James Bibel erinnern (sollen?).

 

Für wen ist das Buch?

Für den Lesekreis war das Buch durch die vielen Motive natürlich super geeignet. Durch die Diskussion bin ich sogar letztendlich zu einem positiveren Ergebnis gekommen. Ansonsten bietet das Buch viel zum Thema Schuld und Sühne; auch als Einblick in die Zeit der Kolonisierung Amerikas ist der Roman geeignet. There be biblische Motive ;)

Source: http://elektrischersalon.blogspot.com/2014/07/der-scharlachrote-buchstabe-nathaniel.html