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Impressions from the reading life

Walter Moers: Wilde Reise durch die Nacht

Wilde Reise durch die Nacht (Broschiert) - Walter Moers, Gustave Doré

Inhalt

Zwischen Tag und Traum, zwischen Kindheit und Erwachsenwerden spielt Walter Moers’ rasantes und komisches Abenteuer des zwölfjährigen Gustave, der einmal ein großer Zeichner werden will. Vorher aber muss Gustave gegen Rätselhafte Riesen, Siamesische Zwillingstornados und das Schrecklichste Aller Ungeheuer antreten. Er muss eine Jungfrau aus den Klauen eines Drachen befreien, durch einen Wald voller Gespenster und einen Galaktischen Gully reiten. Und er begegnet einer Traumprinzessin, einem sprechenden Pferd, leichtbekleideten Amazonen und schließlich sogar sich selbst.   

(Quelle) Auf der Seite gibt es auch eine Leseprobe! Allerdings werden die Illustrationen nicht so dolle wieder gegeben.

 

Mit Moers hatte ich ja immer so meine Probleme: Zwar habe ich fast alle Zamonienromane durch (und werde sie auch weiterhin lesen), aber an's Herz gewachsen sind sie mir nicht. Der typische Moerston, ist mir jetzt klar geworden, ist schuld daran.

 

Auch in Wilde Reise durch die Nacht ist der Ton heiter bis schnodderig, mit viel Ironie und Neckereien der Charaktere untereinander, vielleicht sogar eher mehr als sonst. Nur hat der Ton dieses Mal einen runden Eindruck gemacht. Es passt zu der sowieso schon absurden Story, wenn sich Ross und Reiter (letzterer ist der Held der Geschichte) hier kleine Wortgefechte liefern, während ringsumher Schrecken in den Schatten lauern.

 

Paul Gustave Dore by Felix Nadar 1855-1859.jpg Public Domain@Wikimedia Commons

Paul Gustave Doré

(1855-1859)

Die Geschichte basiert auf 21 Illustrationen von Gustave Doré, der im 19. Jahrhundert die Werke der ganz Großen bebildert hat: Rabelais, Poe, Cervantes, Milton, ... Dabei wurden seine Bild gewordenen Fantasien immer bizarrer, sodass, wie in der kurzen Einleitung Meyers Konversationslexikon von 1897 zitiert wird, "zuletzt die Maßlosigkeiten und Bizarrerien, welche namentlich seine letzte größere Arbeit, die Zeichnungen zu Ariosts 'Rasendem Roland', entstellen." Natürlich sind gerade aus diesem Werk die meisten Illustrationen Grundlage der Geschichte.

Und die beginnt mitten in einem Siamesischen Zwillingstornado, in dem der junge Gustave (es handelt sich um den 12-jährigen Doré höchstpersönlich) dem Tode begegnet. Er muss, um dem Tod zu entgehen, einige herkulisch anmutende Aufgaben erfüllen. Und schon stürzt man in's nächste Abenteuer. Bald fragt man nicht mehr, wie man eigentlich darin gelandet ist, und genießt nur noch den Flug. Ich jedenfalls konnte nicht genug davon bekommen. Sogar ein typisch Moers'sches Anagrammrätsel war enthalten. Und am Ende wurde er noch richtig tiefgründig-metaphorisch :)

 

Eine wahrhaft wilde Reise voller Witz und Einfallsreichtum, in dem sowohl Doré als auch Moers deutlich zu erkennen sind. Eine Hommage an Gustave Doré und die Kunst überhaupt!

 

Für wen ist das Buch?

Definitiv nicht nur was für Moers-Fans!

Source: http://elektrischersalon.blogspot.com/2014/07/walter-moers-wilde-reise-durch-die-nacht.html