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Impressions from the reading life

Alwin Frank Fill: Linguistische Promenade

Linguistische Promenade - eine vergnügliche Wanderung durch die Sprachwissenschaft von Platon zu Chomsky - Alwin Frank Fill

Inhalt

Platon lässt Sokrates mit Kratylos über den Ursprung der Sprache disputieren. Berkeley zieht den Vorhang der Wörter weg, und man erblickt dahinter, zum Greifen nahe, den Baum der Erkenntnis. Diese vergnügliche Wanderung durch die Geschichte der Linguistik hält sich zwar streng an die Erkenntnisse der Wissenschaft, greift aber das Unterhaltsame und Anekdotische heraus. Das Buch ist eine Einladung zu einem linguistischen Spaziergang, der dem promenierenden Publikum die Vielfalt der Themen und Methoden der Sprachwissenschaft spannend vor Augen führt. (Quelle; mit Leseprobe)

 

Linguistische Promenade hat mir einen großen Gefallen tun können: Zur Wiederholung und Vernetzung alten Wissens ist es nicht übel geeignet. Das verdankt sich vor allem der klaren Struktur, die sich durch das ganze Buch zieht. In jedem Kapitel wird ein Stück Sprachwissenschaftsgeschichte rekapituliert, beginnend mit einer Anekdote aus dem Leben des Denkers, dessen Arbeit den Anstoß gegeben hat. Zum Beispiel hört man im ersten Kapitel das Ende eines Gespräch zwischen Sokrates und einem Marktgänger, wie es Platon, Sokrates' Schüler, aufgeschrieben hat. Sokrates fragt, ob es nicht zwischen Wortklang und Wortbedeutung einen natürlichen Zusammenhang gibt. Das ist aber keinesfalls trocken und theoretisch zu lesen, sondern geschrieben wie eine Erzählung, sodass man mit dem Thema ohne Anstrengung warm wird. Es fällt dann leicht, auch den darauf folgenden Hintergründen zu folgen. Die zu jeder wissenschaftlichen Strömung gehörenden Kritiker sowie die Entwicklungen innerhalb eines Gebiets werden jeweils vorgestellt.

 

Linguistische Promenade ist nicht für Sprachwissenschaftler geschrieben, sondern – wie es in der Einleitung heißt – es will "Nicht-PhilologInnen auf die Wissenschaft von der Sprache neugierig machen." Ein ehrbares Unterfangen, denn Linguistik sagt den meisten meiner Mitmenschen nichts, wenn man ihnen davon zu erzählen beginnt, dann sind sie aber meistens interessiert. Das Buch ist leicht zu lesen, unterhaltsam und regt zum Nachdenken über Sprache an, insofern kann ich dem Autor Alwin Frank Fill nur gratulieren. Für Einsteiger (und für Wiederholer, die nach etwas Struktur suchen) ist das ein richtiges Entdeckungsbuch, das auch allerhand Verknüpfungsmöglichkeiten zu eigenen Erfahrungen mit Sprache bietet.

Was mich als 'alten Hasen' auch dazu gebracht hat, ausgerechnet dieses Anfängerbuch auszuleihen ist, dass es wirklich am Anfang beginnt: Bei Platon in der Antike. Ein gewagter Rundumschlag, aber ich kann mich nicht beschweren: Meine Erwartungen wurden über Gebühr erfüllt.

 

Meine einzige Befürchtung ist, dass das Buch nicht unbedingt als Einsteigerbuch erkennbar sein könnte. Wenn man vom leicht antiquierten Titel im Buchladen trotzdem angelockt wird (der wohl nur dem üblichen – und allzu akademischen – "Eine Einführung" oder ähnlich Angestaubtem aus dem Weg gehen will), dann schafft es der Klappentext meiner Meinung nach eher nicht, den Funken zu entfachen und den Interessierten zum Kauf des Buches zu bringen.

Darum für alle, die sich für Sprache interessieren und wie sie funktioniert, wie unser Gehirn sie organisiert und wie es zum Verständnis zwischen Menschen kommt, hier einfach mal das Inhaltsverzeichnis. Das macht vielleicht etwas mehr Appetit, wenn ich auch zugeben muss, dass man ohne entsprechendes Vorwissen wohl mit den meisten Namen nichts anfangen kann und es doch etwas akademisch klingt. Es werden aber einige Fragen angedeutet und der lockere Erzählton kommt an einigen Stellen durch.

 

{Wieso stellt Booklikes mein HTML falsch dar? Das sollten eigentlich verschachtelte Listen sein...}

 

  • Einleitung
  • I. Der Ursprung der Wörter - und ihre manipulatorische Kraft: Platon
    • Platon zur Manipulation durch Sprache
    • Exkurs über Warnungen vor der Manipulation durch Sprache
    • Der Platonische Dialog
  • II. Die Idola fori und der Baum der Erkenntnis: Bacon, Berkeley, Locke und Hume
  • III. Sir William Jones und die Ursprache
    • Gemeinsame Quelle der Sprachen
    • Altindien und die deutsche Romantik
    • Multilaterale Vergleichung
    • Sprach-Stammbäume
  • IV. Sprache und Denken: Humboldt, Sapir, Whorf und Weisgerber
    • Heymann Steinthal und die ,innere Sprachform'
    • Humboldt und die amerikanische Ethnolinguistik
    • Zwei in Deutschland geborene amerikanische Ethnologen
    • Benjamin Lee Whorf
    • Die Neu-Humboldtianer
  • V. Die Semantik und der Marathonlauf: Michel Breal
    • Bedeutungswandel in verschiedenen Sprachen
  • VI. Sprache und Schach am Genfersee. Der Mann, der die Junggrammatiker alt aussehen ließ: Ferdinand de Saussure
    • Sprache und Schachspiel
    • Saussures Wirkung
  • VII. Sprechen als Verhalten. Von Bloomfield zu Skinner: der amerikanische Strukturalismus
    • Friedensnobelpreis für einen Linguisten?
  • VIII. Sage mir, mit wem du gehst... Neuere Entwicklungen in der Semantik
    • Bedeutungsbeziehungen
    • Kann man die Bedeutung eines Wortes messen?
    • Prototypen
    • Konstruktivistische Semantik
    • Sprache schafft Wirklichkeit (Paul Watzlawick)
    • Verum ipsum factum est
  • IX. Sprache, Frauen, Männer: von Otto Jespersen zu Deborah Cameron
    • Missverständnisse
    • Allgemeines Wahlrecht - aber nur für Männer. Sexismus in der Sprache
  • X. Aphrodisiakum Sprache
    • Erotik oder Pornographie? Störungen der Liebe durch die Sprache
    • Die Sexualisierung der Sprachwissenschaft: Ero-Linguistik
  • XI. Sprache und ihre Wirkung. Pragmatik: Wittgenstein, Austin, Searle und Grice
    • Welche Rolle hat ein Schürhaken gespielt?
    • Sprechakte im Dialog
    • Kritische Diskursanalyse
    • Pragmalinguistik und Sprache im Alltag
    • Sprache als Quelle von Humor
    • Zusammenfassung: Pragmatik
  • XII. Sprache, Konflikt und Frieden
    • Die positive Seite des Streitens
  • XIII. Bunte grüne Ideen: Noam Chomsky
    • Chomsky und die Politik
  • XIV. Darwin und die Erforschung der Tiersprache
    • Charles Darwin über die Sprache von Tier und Mensch
    • Neuere Forschung von Karl v. Frisch bis zu Marc Hauser
    • Tierkommunikation, Geschlecht und Sexualität
    • Zusammenfassung: Tierkommunikation
  • Schlusswort
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Source: http://elektrischersalon.blogspot.com/2014/06/rezension-alwin-frank-fill.html