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Impressions from the reading life

Finstere Orte - Gillian Flynn, Christine Strüh

Sie war sieben, als die Schüsse fielen. Als sie in die kalte Nacht hinauslief und sich versteckte. Als ihre Mutter und ihre beiden Schwestern umgebracht wurden. Als ihre Zeugenaussage ihren Bruder für immer hinter Gitter brachte.

Jetzt, 25 Jahre später, ist aus Libby Day eine verbitterte, einsame Frau geworden, deren Leben eigentlich keines mehr ist. Doch inzwischen gibt es Leute, die an der Schuld ihres Bruders zweifeln. Libby muss noch einmal ihre Vergangenheit aufrollen: Was hat sie in jener verhängnisvollen Nacht wirklich gesehen? Ihre Erinnerungen bringen sie in Lebensgefahr – so wie damals. (Quelle)


 

Das mal im Voraus: Ich bin kein Thrillerfan. Das Buch habe ich für die Literary Exploration Challenge als Stellvertreter für das Thrillergenre ausgewählt, weil die Story gut klang.

Von selbst würde ich keinen Thriller lesen, oder jedenfalls eher selten.

 

Jetzt, wo ich es dann doch mal getan habe, bin ich etwas gespaltener Meinung: Einerseits fand ich die erste Hälfte des Romans sehr gut, die Figuren waren toll angelegt und die Geschichte versprach, skurril und spannend zu werden.

Zu Beginn der Geschichte ist die Hauptfigur Libby extrem egoistisch, es verlangt sie nach der ungeteilten Aufmerksamkeit (und Wohltätigkeit) der Öffentlichkeit für das, was sie als Kind erleben musste. Als Leser schwankt man immer zwischen Verständnis für diese kaputte Frau, die ihr Leben nicht auf die Reihe kriegt, und dem rücksichtslosen Biest, das durch die Ich-Perspektive auch regelmäßig durchscheint. Mir hat diese ungewohnte ambivalente Position sehr gefallen. Vor allem, weil die Geschichte trotzdem sehr gut zu lesen war.

 

Leider rückt der Fokus immer weiter weg von Libbys Persönlichkeit zur Action, zu dem whodunnit und stellenweise etwas langweiligen Rückblicken auf den tag des Geschehens, nicht aus Libbys Sicht, sondern verschiedenen anderen Protagonisten der Tat.

 

Mit dem Fortschreiten der Story wurde diese in meinen Augen zunehmend unglaubwürdiger. Ich will nicht spoilern und will deshalb nicht sagen, woran es liegt. Am Ende war mir die Auflösung doch allzu konstruiert. Es gibt ein an den Haaren herbeigeholten Indiz zur Lösung des Tathergangs, das erst in letzter Sekunde preisgegeben wird, was das ganze erst recht unglaubwürdig macht. Ich denke, hier wäre es der Job der Autorin gewesen, diesen Hinweis irgendwann vorher in einem Nebensatz zu verstecken, sodass dem Leser erst bei der Auflösung wieder einfällt, dass er die Information schon die ganze Zeit hatte. Oder verlange ich zu viel?

 

Es ist nämlich nicht so, dass mir Finstere Orte gar nicht gefallen hätte. Aber im Vergleich zu dem steilen Anfang konnte der Rest einfach nicht mithalten. Ich nehme an, es hängt wirklich mit meinen Lesegewohnheiten zusammen: Ich bin an Figuren interessiert, erst dann kommt die Handlung. Eine Figur ohne Tiefgang finde ich demnach logischerweise langweilig, und hier verlor die Figur irgendwie mit den Seiten ihre Farbe. Allerdings nicht komplett. Die Autorin hat sie nur aus den Augen verloren.

 

Die Verfilmung von Finstere Orte startet in den USA diesen September. Mal schauen, wie die Umsetzung mit Charlize Theron gelingt. Anschauen werde ich die nämlich (wenn mich nicht ein furchtbar schlechter Trailer davon abhält – wie Buchcover beeinflussen auch Filmtrailer meine Kaufentscheidung).

Source: http://elektrischersalon.blogspot.com/2014/04/rezension-gillian-flynn-finstere-orte.html