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Impressions from the reading life

Das Schwert im Stein - T.H. White, Jochen Malmsheimer
Das Schwert im Stein ist der erste von vier Teilen der Reihe Der König auf Camelot. Nach dem Tod des Autors T. H. White wurde auch ein fünfter Part veröffentlicht, der zuvor durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs nie gedruckt werden konnte.
 
Für mich ist es das zweite Mal, dass ich Das Schwert im Stein anhöre. Ich hatte so viel Spaß an diesem Klassiker der Fantasyliteratur, dass ich die Reihe einfach noch mal lesen/hören musste. Vor allem nachdem mir nach einigen Minuten klar wurde, dass eine Verbindung zu dem Disney-Film Die Hexe und der Zauberer besteht. Wer einen kleinen Eindruck von dem von Jochen Malmsheimer gelesenen Roman bekommen möchte, kann bei Tonspion mal reinhören.
In diesem ersten Band lernt man Arthur als Jungen kennen und wie ihn Merlyn unter die Fittiche nimmt. Er versucht, den auf die Ritterlaufbahn fixierten Dreikäsehoch auf seine Zukunft als König von England vorzubereiten und verwandelt ihn in allerhand Tiere, sodass Arthur (genannt Wart) viele Perspektiven und Lebenseinstellungen kennenlernt.
Das Questenbiest
 
Neben dem gewitzten, hintergründigen Merlyn und dem herzensguten Wart gibt es viele weitere Figuren, die einem allesamt ans Herz wachsen. Vor allem hat es mir aber der gute König Pellinore angetan, der auf der ritterlichen Suche nach dem Âventiurentier (Glatisant) ist. Pellinore ist seit 17 Jahren auf dieser Queste und sehnt sich nach einem Federbett... Zum Schießen!

 

Allerdings gibt es vor allem in der zweiten Hälfte des Buchs auch ruhige Töne und einige Exkurse, die Leser nerven könnten.
Im Hörbuch fällt das nicht so sehr ins Gewicht, sondern gibt der Geschichte die nötige 'philosophische Grundlage', die dem aufmerksamen Leser ähnlich wie Merlyn dem jungen Arthur etwas beizubringen versucht. Vor allem Naturbeschreibungen, aber auch ein kurzer Exkurs über zeitgenössisches Mobiliar erinnern außerdem an die mittelalterlichen Artusromane, die ja auch mal gerne ganz weit ausholen. Auch in anderen Details ähnelt das Buch sehr den Artusromanen, die ich gelesen habe und bietet für den Kenner zahlreiche Anspielungen.
Normalerweise kommt eine Hörbuchfassung für mich dann in Frage, wenn man sich langsam an das Buch herantasten will oder wenn man es sonst gar nicht angerührt hätte. Es ist leichter sich vorlesen zu lassen, als selbst ein Buch zu lesen. Doch in diesem Fall rate ich unbedingt zu der wunderbaren, kurzweiligen Lesung Malmsheimers (die man zum Beispiel in der Onleihe bekommt). Die tiefgründigeren Parts werden so nicht langweilig, dafür die Figuren um so lebendiger.
Malmsheimer hatte offenbar den größten Spaß an seiner Arbeit, er verleiht jeder noch so kleinen Figur einen eigenen Tonfall. Chapeau auch an Terence H. White für diese kongeniale Übertragung eines uralten Stoffes für ein modernes Publikum, das er aber nicht unterfordert, sondern mit all dem konfrontiert, das auch schon vor einem halben Jahrtausend zur Artuslegende gehörte.
Ein mit so viel Verve vorgetragener Klassiker gehört gehört!
Source: http://elektrischersalon.blogspot.de/2014/02/rezension-das-schwert-im-stein-horbuch.html