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Impressions from the reading life

Das entschwundene Land. ( Ab 12 J.). - Astrid Lindgren

Dieses kleine Büchlein - das einzige, das Astrid Lindgren für Erwachsene geschrieben hat - besteht aus verschiedenen mehr oder minder unabhängigen Textteilen, die sich mit Astrid Lindgrens Familiengeschichte und -leben und mit dem Schreiben befassen.

Von dem Titelbild sollte man sich im Übrigen nicht verwirren lassen: Auch wenn die Pippi Langstrumpf-Darstellerin noch so niedlich war, geht es in diesem Buch nicht um sie oder ihr papiernes Vorbild. Am Anfang steht eine Erzählung von der Begebenheit, wie sich die Eltern von Astrid Lindgren kennen lernten und schließlich, nach Jahren des Wartens, heiraten können. Dieser erste Teil war nicht ganz mein Fall. Die Geschichte schreitet gemächlich vor sich hin und hat für Außenstehende wenig zu bieten. Es ist ein sehr privater Erinnerungstext. Vor allem spürt man die Verehrung der Schriftstellerin für ihre Eltern.

 

Dann folgt eine Schilderung der Kindheit Astrid Lindgrens. Man merkt, dass hier wirklich eine andere Zeit beschrieben wird, ein Land, das entschwunden ist. Und das ist auch der Schwerpunkt dieses Textes: All die Dinge, die es nicht mehr gibt, den Ochsenkarren, die Landstreicher, Viehmärkte, ... Und nicht wenige Anklänge an Astrid Lindgrens Werk. Diesen Teil fand ich aus zweierlei Gründen sehr schön: Er ist weniger chronologisch, sondern von Astrid Lindgrens eigenen Erinnerungen getrieben und sozusagen 'wild'. Die Vorstellung, in einer bäuerlichen Welt aufzuwachsen, die dann so vollständig verschwindet, ist schon traurig und der Text wird auch manchmal ein bisschen melancholisch. Aber die Autorin lässt diese Welt in ihrem Text wiederauferstehen, man kann die Waldblumen riechen und sieht die Höfe praktisch vor sich.

 

Erst dann kommt man zum Herzstück des Buches: Astrid Lindgren berichtet mit Feuereifer von ihren ersten Leseerlebnisse. Da wechselt der Erzählton in wahre Begeisterung. Astrid Lindgren zeigt, woher ihre Ideen kamen, was das Lesen sie geprägt und beglückt hat und auch, wie wichtig es ist, dass man seinen Kindern "den Weg zum Buch" weist.

In dem Duft der Druckerschwärze wohnt das grenzenloseste aller Abenteuer. (S.98)

Dadurch wurde das Büchlein zu einem echten Schatz für mich. Von Pippi Langstrumpf war ich, leider erst vor wenigen Jahren, absolut begeistert und Astrid Lindgren (ich muss sie einfach immer beim ganzen Namen nennen, sonst geht es nicht) hat mit der zweiten Hälfte dieses Buches einen schönen, kurzweiligen Text über das Geschenk der Bücher für Lesende und Schreibende verfasst, den ich allen Autoren und Leseratten ans Herz lege. Astrid Lindgren ist bescheiden und benutzt die ihr eigene klare, einfache Sprache (wozu sie auch so einiges zu sagen hat). Ein schnell gelesener, fast perfekter Lindgren-Zusatz, ein Erinnerungsbuch und Plädoyer für ein Leben mit Büchern.

Source: http://elektrischersalon.blogspot.com/2014/01/rezension-das-entschwundene-land-von.html