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Impressions from the reading life

Interview mit einem Vampir (Film): Achtung, bissig!

Ich wollte ja eigentlich möglichst frisch den Film schauen, aber so ist es nun leider nicht gekommen. Schon vor fast drei Wochen habe ich "Interview mit einem Vampir" gelesen. Aber nun gut.

Ich habe diese Gelegenheit dafür genutzt, den Film, den ich schon kannte, mal auf Englisch zu schauen. Et voilà: Das war schon mal etwas besser als die letzten Erfahrungen, die ich damit gemacht habe.

 

Allgemein sind mir Filme mit so einer Starbesetzung suspekt, und Tom Cruise und Brad Pitt sehen meiner Meinung nach alles andere als 'lecker' aus als blasse Vampire. Jemand mit kantigeren Gesichtszügen wäre da besser gewesen. Und einen Spanier einen Franzosen spielen zu lassen, sowas fällt nur Hollywood ein (nichts gegen Antonio Banderas, aber er konnte nicht mal den Namen seiner Figur anständig aussprechen - was sich allerdings auf alle französischen Namen im Film übertragen lässt, siehe bzw. höre "LestÄT").

 

Während, wohl dank der Beteilligung von Ann Rice an dem Projekt, die Story in den meisten Punkten dem Original treu bleibt, fiel mir doch immer wieder auf, wie wenig Louis zu allem beizutragen hat. Im Buch ist er nicht nur der mit sich Hadernde, sondern versucht schon früh, von Lestat wegzukommen. Außerdem bringt er Claudia Bücher und lehrt sie, die menschlichen (kulturellen) Errungenschaften zu wertschätzen (war wohl zu uncool für Hollywood - Iiii, Bücher!).

Keine Spur davon im Film. Dafür sehen wir Brad Pitt in dutzenden Szenen entsetzt dreinschauen oder resignieren, wenn ihm wieder mal etwas angetan wird. Er selbst bleibt passiv, Tom Cruise kriegt die ganze Spielzeit.

Und seine Figur wird viel positiver dargestellt als der Buch-Lestat. Dass er Louis wegen seines Geldes haben wollte, bleibt eher undeutlich. Dass er die ganze Zeit über Ränke schmiedet und auch Louis Treffen auf Claudia geplant hatte - solche Details werden zwar nicht ganz ausgeblendet, aber offensichtlich zu vertuschen versucht. Kein Wunder, dass ich den Film früher immer etwas nichtssagend und unklar fand, denn das ist er.

 

Ihr merkt schon, ich bin kein plötzlicher Fan geworden. Den Film für sich als schlecht zu bezeichnen ginge zu weit; ich finde ihn weder grottenschlecht noch wirklich gut. Als Verfilmung aber rate ich doch mit Nachdruck zum Buch zu greifen und die Perücken in Hollywood zu lassen, egal wer sie trägt.

 

Während des Anschauens habe ich mir ein paar Notizen gemacht. Einige davon will ich hier wiedergeben. Für eine Auflistung von Unterschieden zwischen Buch und Film gibt es eine Tabelle hier. Darum geht es mir nicht. Es sind einfach ein paar Gedanken und Zitate.

 

Louis' letzter Sonnenaufgang ... also, wenn das mein letzter Sonnenaufgang gewesen wäre: Oh boy! Ganz schön ernüchternd.

 

Klangathmosphäre ist verstörend. Wer kann: Mal über Kopfhörer mitverfolgen, da wird einem einiges klar.

 

Louis hat sein Haus in Brand gesetzt -- Lestat (gerade durchs Fenster ins brennende Haus gehüpft, natürlich durch das - geschlossene - Fenster): "Perfect! Just burn everything we own!" Louis: "You thought you could have it all." *g* Lestat: "Oh, just shut up, Louis."

 

Haha, wenn Lestat sich aufregt, ist der Film am besten. Lieblingsszene: mit der Hure in New Orleans, wo er Louis zwingen will, ihr Blut zu trinken, um sie zu erlösen. Im Original echt imposant. Das war wohl, bevor Tom Cruise seine Gesichtsmuskulatur verloren hat ;)

 

Größte Sauerei überhaupt: Keine Erotik, die Frauen ansprechen könnte (ich meine nicht-lesbische): Ständig wird eine Frau überfallen und findet das auch noch toll. Ein paar nackte Brüste hier und da, fertig ist der Blockbuster. Und was ist mit uns? Wir wollen auch was sehen!

 

Louis im Théatre de Paris: "Vampires pretending to be humans pretending to be vampires." Claudia: "How avant-garde." 

 

Da musste ich doch mal schmunzeln.

 

Kinomontage (Sonnenaufgänge): Sunrise, Don Juan, Nosferatu, Superman --> habe das Gefühl, dass da eine Metaphorik hintersteckt, aber keinen Elan danach zu suchen.

Source: http://elektrischersalon.blogspot.com/2013/11/buchverfilmungschallenge-interview-mit.html