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Impressions from the reading life

Iwein Löwenritter. Erzählt nach dem Roman von Hartmann von Aue - Felicitas Hoppe, Hartmann von Aue, Michael Sowa Eine zu 98% originalgetreue Nacherzählung des Iwein-Romans nach Hartmann von Aue, in wunderbarer Sprache. Nicht nur für Kinder!
Ich habe direkt vorher die Vorlage gelesen, um dann zu sehen, wie Felicitas Hoppe den Stoff verarbeitet. Aber im Original war schon alles da, sie hat "nur" ein paar tiefer sitzendere psychologische Zusammenhänge und Vorgänge ausgebaut und für Kinder veranschaulicht. Das hat sie wunderbar geschafft und auch Stellen, die mir bei Hartmann etwas unplausibell vorkamen, waren nun leichter nachzuvollziehen. Aber im Grunde hat Hoppe nichts Grundlegendes verändert (und auch nichts Grausiges ausgelassen): Wenn eine Ungereimtheit in der mittelhochdeutschen Vorlage vorkam, so übernahm sie auch diese. Der Erzähler der Geschichte gibt dann ganz offen zu: "Ich weiß auch nicht, wie das sein konnte." Und fügt manches Mal hinzu: "Denn ich war nicht dabei."
Leider gibt es auch in dieser Version kein Happy End für die liebe Lunete. Doch Hoppe gibt der Figur viel Raum und betont ihre wichtige Rolle in der Geschichte.
Zu den grausigen Teilen: Ja, sie sind alle da. Menschen werden gepeitscht und in Nähfabriken zu Hungerlöhnen gegen ihren Willen gehalten (Hartmann von Aue muss ein Zeitreisender gewesen sein...). Das ist eine mutige Entscheidung. Bei der Schilderung legt sie aber stets Wert darauf, die Stimmung als nicht alzu düster werden zu lassen und die Szenen nicht unnötig in die Länge zu ziehen, so dass der Gruselfaktor denkbar gering ausfällt. Aber Langeweile kommt hier auch nicht auf, denn Iwein zieht von einem Abenteuer ins nächste. Daumen hoch!